Wie Meditation uns allen helfen kann, unsere Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten

Der Tag hat 24 Stunden und meistens fängt der Stress morgens schon an. Genau dann wenn der Wecker klingelt und man feststellt, dass man schon wieder verschlafen hat. Schnell duschen, Zähne putzen und Kaffee auf die Hand. Zum Frühstücken ist keine Zeit. Auf der Arbeit fertigt man lieblos einen Kunden nach dem anderen ab. Und die 30 Minuten Pause reicht gerade einmal aus, um die Reste vom gestrigen Abendessen warm zu machen und schnell hinunterzuschlingen. Schnell noch durch die Nachrichten scrollen um zu wissen, wo in der Welt die Menschen sich derzeit die Köpfe einschlagen, welche Fluggesellschaft heute wieder streikt und über welche Skandale die Parteien sich Ihre Mäuler zerreißen.
Zurück von der Pause wird dann bis zum Feierabend alle 10 Minuten auf die Uhr geguckt. Manchmal schaut man um sich herum und fragt sich, ob es eigentlich nur einem selbst so geht. Auf den Punkt genau wird Feierabend gemacht! Unsere Zeit ist kostbar und diese muss gewissenhaft genutzt werden.

Ich bin viel unterwegs und habe ständig neue Ideen, die plötzlich kommen und auch wieder gehen. Träumen tue ich auch. Oft an Orten, an denen es nicht angebracht ist, an Ampeln, am Esstisch, beim Fahrrad fahren…
Wenn ich durch unsere Straßen spaziere, beobachte ich vieles um mich herum sehr genau. Es sind so viele Eindrücke, die ich jeden Tag bekomme und eigentlich bleibt kaum Zeit diese zu verarbeiten. Wir leben so schnell, dass es mir kaum gelingt zur Ruhe zu kommen. Immer geht es von einem Ort zum nächsten. Das hat auf Dauer verursacht, dass es mir schwer fiel mich zu konzentrieren. Ab und zu habe ich mich dabei erwischt, wie ich während eines Gesprächs mit den Gedanken ganz woanders war. Negative Gedanken hatten starke Auswirkungen auf meine Laune und diese wiederum ließ ich manchmal an die Lieben um mich herum aus.
Das Meditieren sollte mir helfen mich wieder auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Ich wollte lernen, wie ich meine negativen Gedanken so verarbeiten kann, dass sie keinen Einfluss mehr auf mich nehmen. Ich habe gehofft, herauszufinden wie ich meiner täglichen Arbeit etwas Positives abgewinnen kann. Und dadurch bin ich zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

21 tagelang habe ich mich darauf gefreut, endlich diesen Beitrag mit meinen Erfahrungen über die Meditation mit euch zu teilen. DAS EXPERIMENT – Let’s get spiritual ist nun zu Ende.

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DIE ERSTE WOCHE – Der Kampf mit den einschlafenden Beinen 

Die erste Woche war die Härteste. Wer denkt meditieren ist einfach, wird eine Überraschung erleben. Diese Überraschung bekam ich in der ersten Woche meines Experiments auch zu spüren. Meine Stoppuhr war auf 20 Minuten gestellt. Da ich ein Meditationsneuling bin, bestand die Gefahr, dass ich einfach umkippe oder im Sitzen einschlafe. Das sollte vermieden werden. 20 Minuten können wirklich sehr lang sein. In den ersten drei Tagen habe ich sogar an der Funktiontüchtigkeit meiner Stoppuhr gezweifelt, weil sich 20 Minuten wirklich wie eine Ewigkeit anfühlten. Sehnsüchtig wartete ich auf die ersten Erfolge. Auf was genau ich wartete, konnte ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht sagen. Nach den ersten drei Tagen war ich etwas enttäuscht. Es hat sich nichts verändert. Ich fühlte mich nach wie vor zerstreut. Deswegen fiel es mir auch schwer mich am vierten Tag zu motivieren mich für 20 wertvolle Minuten auf mein Kissen zu setzen, um zu meditieren. Ich habe gelesen, dass es gerade in der Anfangszeit, in der sich noch keine Veränderungen bemerkbar machen, besonders schwer ist, sich zu motivieren. Die Tatsache, dass ich meinem Bekanntenkreis vorab von dem kleinen Experiment erzählt habe, war der Anstoß nicht aufzugeben. Denn nichts ist schlimmer und nagt mehr am Selbstbewusstsein, als ein angefangenes Projekt, das nicht zu Ende gebracht wird. Es ist also wie mit dem Erlernen eines Musikinstruments. Es dauert seine Zeit bis man schöne Melodien erklingen lassen kann.
Ich hatte anfangs mit meinen Füßen zu kämpfen. Diese schliefen einfach immer ein. Das hat dazugeführt, dass sich meine Gedanken nur darauf konzentriert haben. Durch meine Yoga-Erfahrungen war mir der Halbe Lotus Sitz (Ardha Padmasana) bereits bekannt. Ein Fuß unter dem einen Oberschenkel, der andere Fuß auf dem anderen Oberschenkel. Um zu verhindern, dass meine Füße und Beine einschlafen, legte ich also zwei weiche Kissen unter meinen Po und meine Knie. Das klappte gut und ich konnte summend weiter meditieren.

Der beste Einstieg für Anfänger

Vor meinem Experiment habe ich mich durch zahlreiche Blogs und Websites gelesen um wertvolle Tipps zu erhalten. Von einigen von euch habe ich vorab auch besonders gute Tipps bekommen um das beste aus dem Experiment herauszuholen.
Meine tägliche Meditation habe ich umgesetzt indem ich eine Routine bekam und dabei folgende Punkte für besonders hilfreich empfand:

  • Augen und Mund schließen
    Ich habe zeitweise versucht mit offenen Augen zu meditieren. Auch wenn ich nur an eine weiße Wand gestarrt habe, bin ich nicht in den gewünschten meditativen Zustand gekommen.
  • Kerzen und Entspannungsmusik
    Manchmal habe ich mir auch einfach Kopfhörer aufgesetzt und auch wenn ich die Kerzen nicht gesehen habe, haben sie mir ein geborgenes Gefühl gegeben.
  • Der beste Ort zum Meditieren
    In unserer kleinen 1-Zimmer-Wohnung gibt es nicht viel Auswahl.  Dennoch habe ich mir einen Platz ausgesucht, an dem ich außerhalb der Meditation nichts anderes mache. Es sollte also vermieden werden auf dem Sofa zu meditieren, auf dem man zum Beispiel für gewöhnlich Fernsehen guckt. Einen Fernseher besitzen wir nicht, somit setzte ich mich oft einfach mitten ins Zimmer.
    Adi spielt sehr oft Gitarre. Und ich liebe seine Musik, allerdings kann ich bei Country und Blues Songs nicht abschalten, sondern bekomme eher Lust zu tanzen. Somit habe ich alternativ das Meditieren mit Joggen kombiniert. Ich laufe bereits seit einigen Monaten regelmäßig und brauche es mittlerweile um abzuschalten. Nachdem ich einige Kilometer gelaufen bin, habe ich mir einen Ort gesucht, an dem ich ungestört bin und habe auch mal unter freiem Himmel meditiert.
  • Die beste Zeit
    Die richtige Uhrzeit am Tag für mich zu finden, empfand ich als besonders schwer. Es wird zwar oft geschrieben, dass es keine Rolle spielt zu welcher Uhrzeit man die Übungen macht, dennoch machen die Morgen- und Abendstunden am meisten Sinn. Ich arbeite in Schichten und konnte also keine Routine in der Uhrzeit finden. Morgens empfand ich als besonders entspannend wobei ich abends meistens schon so müde war, dass ich einmal dabei fast eingeschlafen bin.
  • Kissen unterm Po
    Wie schon geschrieben, war das die Möglichkeit zu verhindern, dass meine Beine einschlafen, aber auch um es bequem zu haben und sich wohl zu fühlen.

Plötzlich veränderte sich etwas

Gewissenhaft hielt ich mich daran, jeden Tag zu meditieren. In der zweiten Woche musste ich nicht mehr meine Stoppuhr bereithalten, sondern konnte gut einschätzen, wie lange 25 Minuten sind. Mittlerweile hatte ich das Gefühl, dass meine Gedanken klarer wurden. Das habe ich in Gesprächen mit anderen gemerkt. Vor dem Experiment kam es vor, dass ich manchmal Sätze nicht zu Ende gebracht habe, weil ich während des Sprechens schon wieder einen neuen Gedanken hatte und den ebenfalls mitteilen wollte. Das hat meine Gesprächspartner sicher oft verwirrt. Die ersten Veränderungen machten sich also bemerkbar, in dem ich meine Gedanken besser ordnen konnte und es geschafft habe meine Sätze zu Ende zubringen.

Für die dritte Woche musste etwas Besonderes her

Nachdem die ersten beiden Wochen so erfolgreich verliefen, war es in der dritten Woche Zeit eine neue Methode auszuprobieren. Bisher habe ich im Lotus Sitz oftmals summend vor mich hin meditiert. Durch das Summen wurden die Zellen im Gehirn lebendig. Auf Empfehlung einer Bekannten, die jahrelange Erfahrung mit der Meditation hatte, probierte ich in der dritten Woche die OSHO Nadabrahma Summmeditation und die hatte es wirklich in sich:
Erste Phase: 30 Minuten summend meditieren
Zweite Phase: 15 Minuten langsam kreisende Armbewegungen
Dritte Phase: 15 Minuten still sitzen

Begleitet wird diese Meditationsmethode mit einer Musik, die mit drei Gongschlägen beendet wird.

Und was hat mir das Ganze nun gebracht?

Ich habe schon sehr lange mit dem Gedanken gespielt, mit dem Meditieren anzufangen. Mir fehlte bisher immer nur die Zeit mich mit dem Thema ausgiebig auseinanderzusetzen. Das Experiment dauerte bewusst 21 Tage. Forscher haben herausgefunden, dass Menschen 21 Tage benötigen, bis sie sich an etwas gewöhnen können. In der Vergangenheit haben Adi und ich bereits ein 21-Tage-Experiment durchgeführt. Das 21-Tage-ohne-Zucker-Experiment haben wir gestartet nachdem wir die Dokumentation ‚Die Zuckerlüge‘ gesehen haben. Und es funktionierte.
21 Tage sind sehr überschaubar und geben einen nicht das Gefühl, dass das Ziel, das man sich gesetzt hat, zu weit weg ist. Wenn ich mir vorgenommen hätte von jetzt auf gleich nie wieder Zucker zu essen, hätte ich es wahrscheinlich keine fünf Tage durchgehalten.
Das 21-Tage-Meditations-Experiment ist nun zu Ende, aber dadurch, dass es zu einem kleinen Teil in meinem täglichen Leben geworden ist, werde ich weiterhin meditieren.
Es gibt viele Arten für mich abzuschalten. Zum Laufen, Wandern, Snowboarden und Yoga kann ich nun auch Meditation dazuzählen.
Ich habe mehr Klarheit in meinen Gedanken, innere Blockaden haben sich gelöst und ich kann meine Energie besser einsetzen. Ich fühle mich ausgeglichener und freue mich täglich darauf, einfach für mich zu sein und meinen Körper und meine Seele zu verbinden. Ohne dass ich an Hokuspokus glaube, bin ich überzeugt davon, dass Meditation, eine der besten Methoden der Stressbewältigung ist. Die Wichtigste Veränderung ist für mich, dass ich alles ein bisschen positiver empfinde. Ich möchte meinen Tag nicht damit verbringen, mich über Dinge zu ärgern. Es ist so viel praktischer positiv zu denken.

13 Gedanken zu “Wie Meditation uns allen helfen kann, unsere Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten

  1. Reiner schreibt:

    Respekt!

    Selbst nehme ich mir früh Morgens eine Viertelstunde zum Yoga üben, Meditation verbinde ich mit einem kleinen Tee-Ritual. Meinen Arbeitsweg nutze ich zum Rad fahren, so habe ich Ruhe und Bewegung. Analytik und Struktur beherrschen meinen All-Tag, so dass die tieferen Bereiche meiner selbst oft zu kurz kommen. Dazu kommt, das für mich als trockener Alkoholiker der Mangel an sich etwas ganz „normales“ ist, um so wichtiger ist es heute, für mich angemessen zu sorgen.

    Ich bewundere eure Art zu leben, selbst hatte ich in diesen Lebensalter leider anderes zu tun
    😉

    Grüße aus dem Tal der Wupper!

    Gefällt 3 Personen

  2. Carochan schreibt:

    Guten Morgen Rainer,
    Struktur im Alltag ist bestimmt oft ein Vorteil. Sie gibt einem auch etwas Beruhigendes.
    Schön zu sehen, dass du nach harten Zeiten nach vorn schaust. 🙂

    Wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Viele Grüße
    Caro

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  3. mrudolf schreibt:

    Liebe Caro

    Herzlichen Dank für deinen wunderbaren Beitrag und dass du dein Experiment mit uns teilst. Du kannst die Meditation gut auch in deine outdoor-Aktivitäten integrieren. Du kannst zum Beispiel eine Gehmeditation machen (achtsames, langsames Gehen) oder an einem schönen Ort eine Pause einlegen zum Meditieren. Dabei verbindest du dich mit deinem Atem, dann mit der Umgebung. Ich finde das jeweils sehr kraftvoll. Überhaupt besteht der tiefere Sinn der Meditation darin, dass du die Achtsamkeit in deinen Alltag bringen kannst. Eine kurze Pause, in der du zwei-drei bewusste Atemzüge machst und dich von innen heraus spürst, wirkt Wunder.

    Und wenn es mal nicht klappt, nicht verzagen, nicht ärgern. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude auf deinem (eurem) Weg.

    Liebe Grüsse
    Ruedi

    Gefällt 1 Person

    • Carochan schreibt:

      Hallo Ruedi,

      danke für den tollen Tipp. Wir werden in den nächsten zwei Wochen in den Bergen Norwegens unterwegs sein und habe mir auch vorgenommen, die Meditation damit zu verbinden. Ich bin gespannt 🙂

      Schön, dass dir der Beitrag gefällt.

      Viele Grüße

      Caro

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  4. Anwolf - Unterwegs auch mit Hund schreibt:

    Sehr inspirierend von deinen Erfahrungen zu lesen. Den Alltag, den du beschreibst erlebe auch ich leider viel zu oft. Meditation ist eine gute Möglichkeit mal inne zu halten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Wandern mit meinem Hund hat für mich eine ähnliche Wirkung. Für ihn gibt es nur das „Hier und Jetzt“ – da kann man sich ne Menge abgucken 😉 Viele Grüße von Andrea

    Gefällt 1 Person

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