Wie uns ein Stück Seife und eine Kiste Bier im australischen Outback den Hintern gerettet haben

Für viele ist Australien eine Traumdestination. Wunderschöne Sandstrände, malerische Bergkulissen, tausende Wasserfälle und ein spektakuläres Outback. Kein Wunder, dass es immer mehr Deutsche in das Land Down Under verschlägt. Häufig liest man von gefährlichen Reptilien, giftigen Spinnen. Nicht zu vergessen die menschen tötenden Krokodile und die Haie in den Meeren, die jedem Surfer Beine und Arme abbeißen. Den Horrorgeschichten nach, die der Nachbar einer Kollegin über dessen Freundins Cousine erzählte, sollte man in Australien auf gar keinen Fall zu viel riskieren. Wenn das bisher die Gründe waren, die dich von einer Reise nach Australien abgehalten haben, kann ich dich beruhigen. Denn auch wenn es beim ‚Dschungel Camp‘ ganz anders aussieht, sind es nicht die giftigen und gefährlichen Tiere, vor denen man vorsichtig sein sollte.

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Wenn man schon den weiten Weg nach Australien auf sich nimmt, dann will man auch das absolute Freiheitsgefühl spüren. Viele Reisende mieten oder kaufen sich ein Auto um von A nach B zukommen. Und das hat auch einige Vorteile. Als erstes könnt man natürlich selbst entscheiden wohin es hingeht.

Ich werde euch nichts über langweilige Straßenverkehrsordnungen erzählen, sondern einige wichtige und spannende Erfahrungstipps mitgeben, die ich auf unzähligen Roadtrips innerhalb von zwei Jahren auf australischen Straßen sammeln konnte während Adi in Deutschland fleißig am Studieren war.

Wie ein Stück Gummi, eine Kiste Bier und ein Stück Seife uns einen unvergesslichen Abend im Outback bescherten

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Auf unseren Roadtrips haben wir uns untereinander alle zwei Stunden mit dem Fahren abgewechselt. So konnte jeder Mal auf der linken Straßenseite fahren, was anfangs noch total aufregend war. Diese Aufregung nahm allerdings Tag für Tag ein bisschen ab. Zu meiner Roadtripcrew gehörte unter anderen ‚Carmel‘. Eine schöne Israelin, die vor Ihrem Australientrip zwei Jahre der israelischen Armee gedient hat. Denn in Israel gilt die Wehrdienstpflicht auch für Frauen. Sie hatte wirklich verrückte und spannende Geschichten zu erzählen. Sie ist einer der Menschen, der die Dinge entweder richtig anpackt oder gar nicht. Dafür habe ich sie bewundert. Denn sie hatte so viele Talente und ich konnte viel von ihr lernen.
Auf australischen Straßen liegen sie überall und niemand sammelt sie ein. Reifenfetzen. Über Gummi zu fahren ist nicht sonderlich gefährlich. Allerdings kann man sich nicht immer darauf verlassen, dass es sich um Gummi handelt…!

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Eines der größten Highlight in Australien ist für viele der ULURU – Ayers Rock. Dieser befindet sich im Herzen Australiens und ist für Ureinwohner ein Heiligtum. Auf dem Roadtrip von Darwin nach Alice Springs passierte es. Meine liebe Carmel war am Steuer, als sie etwas auf der Straße gesehen hat, das aussah wie ein Stück Gummi eines zerfetzen Autoreifens. Mein Ford Falcon war schwer beladen mit vier Passagieren und unserem kompletten Reisegepäck inklusive Campingausrüstung. Ohne etwas Schlimmeres zu ahnen, fuhr sie über das Stück hinweg und keiner von uns bemerkte vorerst etwas. Nach zwei Kilometern fing es plötzlich an nach Benzin zu stinken. Wir sind links an den Straßenrand gefahren. Nach einem kurzen Blick unter mein Auto stellten wir fest, dass das Stück Gummi, das, wie sich hinterher herausgestellt hat, doch ein Stück Metall war, einen Riss in unseren Tank gerissen hat. Das Benzin strömte durch ein Loch das vielleicht gerade einmal einen Zentimeter klein war. Jan, ein weiteres Mitglied meiner Crew legte sich unter das Auto und steckte den Finger auf die Wunde, bis uns ein besserer Plan einfiel. Denn zu viel Benzin zu verlieren, war ein riesen Problem. Wir befanden uns 200 Kilometer von Alice Springs entfernt und 100 km von der letzten Tankstelle, die sich in der anderen Richtung befand. Weit und breit kein Auto in Sicht und unsere Handys hatten natürlich auch keinen Empfang. Wir mussten es irgendwie schaffen an die letzte Tankstelle zu kommen. Aber mit der Geschwindigkeit, mit der das Benzin aus dem Tank schoss, würden wir nie dort ankommen und bei einer Hitze von fast 40 Grad war das keine Lösung.

Unsere erste weise Idee war, dass wir uns vorerst keine Zigarette anzünden sollten, wenn uns unser Leben irgendwie lebenswert erscheint und die zweite Idee kam von Carmel. In der Armee in Israel habe sie gelernt, was man in solchen Situationen macht. Sie kramte in Ihrer Kulturtasche herum und kam mit einem Stück Hartseife hervor. Was für eine geniale Idee! Ich wusste, es war eine gute Idee Carmel mit in die Roadtripcrew aufzunehmen. Mit dem Stück Seife konnten wir das Loch vorerst stopfen und somit verhindern, dass das Benzin weiter rausströmt. Und es funktionierte, damit konnten wir langsam aber sicher zur letzten Tankstelle zurück.

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Dort angekommen freuten wir uns vorerst, weil wir hofften gerettet zu sein. Leider war unsere einzige Möglichkeit einen Abschlepper aus Alice Springs zu ordern, der 300 Kilometer entfernt war. Das hörte sich sehr teuer an. Und das war es auch: 400 Dollar sollte uns der Spaß kosten. Aber wir bestellten ihn trotzdem. Am Telefon sagte man uns, dass der Abschlepper ca. 3 Stunden braucht und er nur maximal zwei Personen in seinem Truck mitnehmen kann. Wir waren zu viert! Das nächste Problem stand bevor.

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Zwei von uns versuchten kurzer Hand nach Alice Springs zu trampen, aber leider ohne Erfolg. Es dämmerte schon und zu der Uhrzeit fahren kaum noch Autos. Außerdem empfinden es viele für zu gefährlich abends Hitchhiker einzusammeln. Wir waren also immer noch zu viert und der Abschlepper sollte schon in Kürze bei der Tankstelle ankommen. Also beschlossen wir, dass sich zwei von uns auf den Hintersitzen meines Autos versteckten. Jan und ich haben uns bereiterklärt und versteckten uns unter vielen Backpacks und Schlafsäcken.

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Zu unserer Erleichterung stellten wir fest, dass wir noch eine ganze Kiste Bier im Auto hatten. Wir warteten ab bis mein Auto auf der Ladefläche des Trucks geschnallt war und der Truck losfuhr, bis wir aus unserem Versteck hervor kamen. Der Fahrer des Trucks hatte nichts gemerkt. Und wir fingen an das erste Bier aufzumachen. Und dann das zweite. Als wir nach drei Stunden endlich in Alice Springs ankamen, waren wir betrunken und in wirklich guter Stimmung. Als der Truck zum Stillstand kam belauschten wir, was Carmel mit dem Mann besprach. Wir warteten noch einige Minuten bis wir es wagten eine Autotür zu öffnen. Es war schon dunkel, das machte es uns einfacher unbemerkt aus dem Auto zutorkeln. Leider war das Auto nicht auf einem öffentlichen Parkplatz, sondern wurde auf dem eingezäunten Grundstück des Abschleppunternehmens abgestellt. Wir mussten also noch eine letzte Hürde über einen zweimeterhohen Zaun nehmen, bis wir endlich vereint zu viert in Alice Springs waren. Dort fanden wir ein Hostel und um das kaputte Auto haben wir uns am nächsten Tag gekümmert.
Es war ein ereignisreicher Abend der uns zwei wichtige Dinge gelehrt hat:

1. Fahre über nichts hinweg, auch wenn es aussieht wie Gummi und
2. Habe immer eine Kiste Bier im Auto.

7 Gedanken zu “Wie uns ein Stück Seife und eine Kiste Bier im australischen Outback den Hintern gerettet haben

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