Die harte Realität über das Reisen, vorüber oft geschwiegen wird

 

FREIHEIT! Du sieht die schönsten Orte der Welt, gehst über deine Grenzen, machst Freunde fürs Leben und lernst andere Kulturen kennen. Viele Leuten träumen davon und immer mehr setzen diese Träume auch um. Ob direkt nach dem Abi, nach dem Studium oder auch mitten im Leben. Wenn man spürt, dass es so weit ist, sollte man nicht lange darüber nachdenken und es einfach tun. Aber wie sieht es eigentlich aus, wenn du wiederkommst?

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Während wir reisen, machen wir uns Gedanken darüber, wie es sein wird, wenn wir wieder zu hause sind. Finde ich einen neuen Job, der mir gefällt? Sind meine Freunde noch alle für mich da? Wie wird es sein, wieder ein normales Leben zu führen? ‚Da muss man wohl durch‘ sagt man dir, wenn du über deine Gedanken sprichst.
Du nimmst es in Kauf! Denn das ist der Preis, den man dafür zahlen muss. Es geht schließlich um die vielleicht beste Zeit deines Lebens. Aber dann ist es soweit: Nach vielen Monaten oder Jahren buchst du dein Ticket zurück in die Heimat.1397580_583582575024769_1896979638_o

Einerseits musst du dich von den neuen Freunden verabschieden, mit denen du gemeinsam in dieser Traumblase verbracht hast und andererseits wirst du bald wieder bei deinen Freunden und bei deiner Familie sein, die dich schon dein ganzes Leben kennen. Du stellst dir schon bildlich vor, wie alle am Flughafen auf dich warten, um dich in die Arme zu schließen. Bei den Gedanken wird die Vorfreude immer größer. Bis der große Tag gekommen ist. Alles ist vielleicht genauso wie du es dir vorgestellt hast. Die ersten zwei Wochen zu hause werden bestimmt aufregend sein und es ist toll deine aufregenden Geschichten zu erzählen. Alle hören gespannt zu während du feststellen musst, dass sich hier in der Zwischenzeit wirklich kaum etwas verändert hat. Alles dreht sich um dich und alle wollen dich sehen. Wie ein kleiner Star fühlst du dich. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich alle wieder daran gewöhnt haben, dass du wieder zu hause bist. Deine Mutter macht dir nicht mehr jeden Tag dein Lieblingsessen und du darfst auch nicht mehr entscheiden in welche Bar es abends geht. Das Promi-Dasein ist vorbei und die Realität klopft auch schon an die Tür. Die Leute fangen an Fragen zu stellen. Und nun? Was willst du mit deinem Leben anstellen? Willst du dir einen Job suchen? Wie sieht’s eigentlich aus mit deiner Rente?

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Irgendwie hast du selbst auch keine richtigen Antworten darauf. Du bist also wieder an der gleichen Stelle wie vor deiner Zeit des Reisens und nichts hat sich verändert. Du ärgerst dich über die gleichen Dinge, die schon Jahre zuvor da waren und sich wahrscheinlich auch nicht ändern werden. Schluss mit der Unbeschwertheit die man während des Reisens hatte. Willkommen in der Realität.

Natürlich ist man froh, dass es allen gut geht und alle gesund sind. Einige deiner Freunde sind verheiratet, haben ihr Studium beendet, haben sich beruflich weiterentwickelt, fahren schicke Autos und fangen an Häuser zu bauen oder zu kaufen.

Alles hat sich wunderbar für deine Freunde und Familie entwickelt und alle sind glücklich so wie es ist. Aber in der gleichen Zeit merkst du, dass das nicht das Leben ist, dass du führen möchtest. Dir sind andere Dinge wichtiger geworden. Du hast dich verändert. Deine Träume haben sich verändert.  Die Art und Weise, wie du die Menschen betrachtest, hat sich geändert. Dein Bezug zu materiellen Dingen hat sich verändert und vor allem dein Bezug zu Geld hat sich geändert. Aber es ist schwer mit denjenigen zu reden, die genau das Leben führen, das für dich nicht in Frage kommt. Du willst niemanden verletzen, indem du dich gegen solch‘ ein Leben entscheidest. Wenn man selbst niemals in dieser ‚Luftblase‘ war, ist es schwer zu verstehen, wie leicht einen das Leben vorkommen kann. Ohne dass einem ständig Druck aufgelastet wird. Man fängt an, die Dinge komplett anders zu sehen. Und beim Versuch anderen zu erzählen, wie wunderbar das Reisen ist und wie einfach das Leben sein kann, wenn man auf Luxus verzichtet, scheitert man oft. Vielleicht weil wir in einer Gesellschaft leben, die von unzähligen Ängsten geplagt ist.

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Man hat Momente, in denen man darüber nachdenkt, ob die Zeit im Ausland tatsächlich was gebracht hat. Denn irgendwie hat sich hier doch nichts geändert. Oder doch? Ja, denn Reisen prägt! Vieles hat sich geändert,  auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.

Es kommt der Moment, in dem du plötzlich deine Antwort kennst. „Du musst wieder weiter und was erleben“ sagt dir eine innere Stimme. Du musst zu den Menschen, die sich genauso fühlen, wie du und die wirklich deine Sprache sprechen. Die verstehen, dass es im Leben um mehr geht, als um schicke Autos, große Häuser und teure Uhren. In Australien und Neuseeland nennen wir es den ‚Travel bug‘ .Wenn er dich einmal gebissen hat, dann fängt er immer wieder an zu jucken, wenn du zu lange auf einer Stelle stehst.

Eigentlich wollen wir doch nur neue Dinge kennenlernen, die ganze Welt sehen, Dinge verändern , uns selbst verändern, erwachsen werden und gleichzeitig ewig jung bleiben. Dann gehen wir wieder fort und wenn wir dann wieder nach hause kommen, merken wir, dass wir uns an fremden Orten mehr zu hause fühlen, als den Ort, den wir zu hause nennen.

Vielleicht hören wir deshalb niemals auf zu reisen.

30 Gedanken zu “Die harte Realität über das Reisen, vorüber oft geschwiegen wird

  1. 🔆Sigrid🔆aktiv60plus🔆 schreibt:

    Du hast sehr gut beschrieben wie ihr euch fühlt, wenn ihr nach langen Reisen wieder zurück kommt. Für andere führt ihr irgend wie ein tolles Abenteuerleben, um das euch vielleicht auch Freunde manchmal beneiden, aber ehrlicherweise behaupte ich mal, dass doch die allermeisten nicht wirklich tauschen möchten. Ein angenehmes Leben – evtl mit eigenen Haus, Job, Erfolg, Karriere, Kinder, Familienleben ist für viele eurer Freunde erstrebenswerter. Nicht jede(r) ist für’s Reisen über Wochen oder Monate geboren :-D. Wahrscheinlich versteht ihr euch irgendwann überhaupt nur noch mit Gleichgesinnten und Freunde werden euch fremd. Das ist vielleicht der Preis für tolle Erlebnisse und man kann halt nicht alles haben.
    Ich wünsche euch, dass ihr immer weiter reisen könnt, aber wer weiß, ob das immer möglich sein wird. Es darf gar nichts dazwischen kommen – keine Einschränkungen, keine Krankheit und natürlich müsst ihr immer das nötige Kleingeld verdienen, um euren Traum zu leben. Viele Grüße Sigrid

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  2. hafenmöwe schreibt:

    Hach, das tut gut, eure Worte zu hören. Worte von Reisenden. Reisende sind eben keine Touristen, wie eine Kanadierin einmal vor vielen Jahren zu mir sagte. Ich war fünf Jahre lang auf Reisen. Hab mich auch so manches gefragt, als ich zurückkam; manchmal gezweifelt, ob ich nicht gleich nach der Schule hätte eine Ausbildung machen sollen… – zum Beispiel.. – aber es ist, wie es ist. Und wen es fortzieht, der oder die hat die Chance, vertrautes im Neuen und dann schließlich (bei der Rückkehr) auch wieder neues im Vertrauten zu finden.

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  3. Videbitis schreibt:

    Zu reisen ist selbst ein unglaublicher Luxus, auch wenn die Reisenden auf jede luxuriöse Lebensweise verzichten. Die Reisenden nutzen dabei ganz selbstverständlich die jeweils gewachsenen Infrastrukturen (Wegenetz, günstiges Essen und billige Unterkunft, Jobs zum Kleigeldverdienen und Akzeptanz in der Bevölkerung), die von denen gemacht und aufrechterhalten werden, die eben nicht auf Reisen gehen. Wenn alle Kölner auf Reisen gehen würden, gäbe es die Stadt nicht, und damit würde die Hauptresisedestination in Deutschland wegfallen.;-) Mit anderen Worten: Diese Freiheit des Reisens, die ihr euch erlaubt, funktioniert nur so lange, wie die Reisenden ein überschaubares Grüppchen bleiben. Aber ich kann schon verstehen, daß man süchtig danach wird: In einer anderen Kultur akzeptierter Außenseiter (=Besucher) zu sein, der sich neugierig und gelassen umkuckt und sonst für nichts verantwortlich ist, das ist natürlich sehr viel schöner, als zu Hause einen grauen Alltag im immer selben Trott zu leben, sich um kranke Familienangehörige zu kümmern und sich um Rente zu sorgen und sich als Entschädigung für entgangene Lebenssensationen ein großes Auto (oder irgendwas anderes) zu kaufen.

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    • Carochan schreibt:

      Das stimmt, was du sagst! Dieser Lifestyle ist bestimmt für viele nicht so besonders, wie es für mich ist! Wir sind alle unterschiedlich und haben alle andere Verpflichtungen die unsere Entscheidungen beeinflussen! Das Streben nach einem erfüllten Leben sieht bei jedem Menschen anders aus; das ist auch gut so 😊

      Einen guten Start in die Woche 😊

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  4. WoMolix schreibt:

    Eine sehr gute Beschreibung (!) Zu einem Thema, das nur sehr selten beleuchtet wird. Ich war in meinem Berufsleben international tätig, und daher ist das Thema Reisen und längere Zeit in der Ferne sein mir aus meinem beruflichen Leben sehr vertraut. Beobachtet habe ich, dass es irgendwo nach fünf bis sieben Jahren der Abwesenheit so etwas wie einen „Point of no Return“ gibt. Das scheint aus meiner Beobachtung der Zeitraum zu sein nachdem eine Reintegration in die ehemals heimische Welt schwierig wird. Dem Reisenden wird es irgendwie zu eng, und die Daheimgebliebenen verstehen den Reisenden nicht mehr. Spätestens dann wird Reisen zu einer Droge, die süchtig macht!😉

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    • Carochan schreibt:

      Hallo Womolix,

      das stimmt, mir ging es so nach vier Jahren Abwesenheit ähnlich, wie du es beschreibst. Diese Reintegration musste ich auch erfahren. Der Auslöser meines erneuten Aufbrechens war ein anderer: Zurück in Deutschland habe angefangen mir Dinge anzuschaffen, hatte das Gefühl ich müsste Verträge mit Kündigungsfristen abschließen und alles was ich tat musste mit verbindlichen Vertragslaufzeiten unterschrieben werden. Was für viele andere ganz normal ist, hat mir hier die Luft zum Atmen genommen.
      Deswegen sind wir dabei uns wieder davon zu lösen, verkaufen alles was wir besitzen und kündigen Jobs, Mietverträge und Mitgliedschaften, eben alles was uns bindet.
      Und plötzlich merke ich, dass ich wieder Luft bekomme.
      In zwei Monaten brechen wir wieder auf und es fühlt sich besser an, als je zuvor 🙂

      Viele Grüße aus dem verschneiten Bremen.

      Carolin

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      • WoMolix schreibt:

        Ja, Carolin. Genau so ist es. Unsere moderne Welt zwingt uns in Abhängigkeiten, über die wir kaum noch nachdenken. Auch der Besitz von Dingen und Geld sind Abhängigkeiten, um die man sich kümmern muss, die einen binden. Das ist auch so gewollt. Denn nur so funktioniert unsere moderne Konsumgesellschaft. Manchmal ist das einem sehr bewusst, aber meist nimmt man es einfach nur so hin weil das ja alle so machen.
        Wer sich entschließt, so wie ihr, diese Abhängigkeiten zu verringern, der stellt fest, dass diese vielen Abhängigkeiten einen hindern am Glücklichsein und ein erfülltes Leben zu leben.
        Es scheint so, als muss man sich entscheiden. Entweder hat man alles und ist innerlich leer, oder man man verzichtet auf das „Haben müssen“ und bekommt eine Option auf innere Erfüllung.
        In diesem Sinne wünsche ich euch eine „glückliche Reisevorbereitung“.
        LG WoMolix

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  5. Carolin schreibt:

    Ich bin zwar gerade mal in der achten Klasse ,aber ich träume davon nach meinem Abschluss durch die Welt zu reisen. Wie es danach sein wird habe ich mir noch nicht vorgestellt. Zumal diese Dinge die nach einer Weile wieder normal werden so alltäglich sind. Cooler Beitrag
    Liebe Grüße Carolin 🎀

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    • Carochan schreibt:

      Hallo Carolin,
      ich halte das für eine sehr gute Idee. Auf meinen Reisen habe ich niemanden kennengelernt, der es hinterher bereut hat, so eine Entscheidung getroffen zu haben. Stattdessen höre ich immer wieder: ‚Ach ja, das hätte ich damals auch gerne gemacht.‘
      Ich wünsche dir viel Glück auf deinem Weg. 🙂

      Viele Grüße
      Carolin 😉

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  6. ftkreuzfahrten schreibt:

    Schöner Beitrag, super Denkansatz. Funktioniert auch, wenn man schon ein wenig oder auch deutlich älter ist. Die „Denke“ muss dann eben jung bleiben, ohne dabei zu vergessen, dass man selbst nicht mehr ganz jung ist …

    Beste Grüße
    Bernd

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