„Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen“ – Fight Club

Und das gilt vor allem in der Weihnachtszeit. „Höher, schneller, weiter“  so lautet das derzeitige Leitprinzip unserer Gesellschaft. Es erzeugt Konkurrenz zwischen allen Menschen. Beschleunigung, Überforderung und Ausgrenzung sind die Folgen. Und diese Lebensweise zerstört die Lebensräume von Pflanzen und Tieren.

Oft geht es nur darum immer mehr zu wachsen. Größere Gebäude, schnellere Autos, und Elektroschrott der so hergestellt wird, dass er schnell wieder kaputt geht. Gleichzeitig werden die Ressourcen auf unserer Erde immer knapper. Der Wirtschaftswachstum nimmt jedes Jahr weiter zu, ohne Rücksicht auf unsere Umwelt. Von Politikern und Mainstream-Fernsehsendern wird noch kräftig auf die Schulter geklopft und applaudiert. Hauptsache die Kasse klingelt und das Bruttoinlandsprodukt steigt.

Vor einigen Tagen habe ich mir einen Vortrag in Bremen angehört. Es ging um das Wirtschaftswachstum in Deutschland und in der Welt. Die gemeinnützigen Vereine, die den Wirtschaftswachstum kritisieren und sich für einen Wirtschaftsrückgang einsetzen, gewinnen von Tag zu Tag mehr Mitglieder. Was früher ein Fass ohne Boden war, bekommt in unser moralisierten Gesellschaft immer mehr Anerkennung. Vielleicht ist es auch für mich an der Zeit umzudenken.

Wenn ich mich in unserer Wohnung umschaue, kann ich ohne lange darüber nachzudenken, mindestens fünf Dinge aufzählen, die ich gar nicht brauche. Trotzdem sind sie da. Und dabei gehören wir schon zu einer Minderheit der Menschen in Deutschland, die keinen Fernseher besitzen. In unserer Gesellschaft haben wir uns daran gewöhnt uns mit Dingen zu belohnen. Schließlich arbeiten wir ja auch den ganzen Tag, da müssen wir am Ende des Tages wenigstens etwas davon haben, dass wir mehr Zeit mit unseren Kollegen als mit unserer Familie verbringen müssen. Jetzt stelle ich plötzlich fest, dass ich gar keine Zeit habe, diese tollen Dinge, die ich mir da zugelegt habe zu benutzen. Da steht mein Saxophon schon seit Wochen unbenutzt in der Ecke herum. Es dient zurzeit mehr als Dekoration, als zum Musizieren. In der anderen Ecke meine Bastelkiste. Ich will schon seit geraumer Zeit Kerzen gießen und endlich lernen zu nähen. Wann habe ich eigentlich das letzte mal etwas gezeichnet? Ein volles Bücherregal und die Hälfte der Bücher sind noch ungelesen. Wofür brauche ich all das, wenn ich keine Zeit und keine Energie mehr habe es zu nutzen? Solche Fragen stelle ich mir nun. Und der Vortrag den ich mir vor einigen Tagen angehört habe, gab mir einen kleinen Anstoß mich mehr mit dem Thema auseinander zusetzen.

 

Der Vortrag handelte, wie schon erwähnt, über das Wirtschaftswachstum oder besser gesagt, den Wirtschaftsrückgang auch ,Postwachstum‘ genannt. Ein Mitglied mehrerer Umweltinitiativen hat uns einige Alternativen aufgezeigt, wie wir gemeinschaftlich ein besseres Leben führen können, indem wir das Wachstum reduzieren ohne, dass Arbeitsplätze verschwinden. Mit Achtsamkeit, Solidarität und Kooperation können wir das Wohlergehen aller fördern und die ökologischen Lebensgrundlagen erhalten.

Adi und ich gehören zu den Menschen, die keine Begeisterung empfinden, wenn es ums Einkaufen geht. Vor allem Adi, bekommt schnell die Krise in Menschenmassen. Aber wenn wir etwas brauchen, wollen wir unsere lokalen Läden fördern und vermeiden die großen Killer-Konzerne. Wir hinterfragen nun jeden Kauf und versuchen die Dinge loszuwerden, die wir schon ewig nicht benutzt haben. Wir misten aus. Und das befreit ungemein. Natürlich ist es dabei wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein.

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Selbstgemachte Seife, die wir dieses Jahr verschenken.

 

Vor allem in der Weihnachtszeit lässt sich ein Kaufwahn beobachten. Es macht auch solchen Spaß Freunde und Familie zu beschenken. Mit Selbstgemachtem konnten wir damals schon unsere Muttis beeindrucken. Dieser Trend ist zurück. Wir verschenken nur noch Selbstgemachtes. Geschenke in denen Mühe, Zeit und Liebe steckt. Und es ist ein tolles Gefühl, etwas mit seinen eigenen Händen zu schaffen. Und der Beschenkte weiß solche Geschenke meistens viel mehr zu schätzen, auch wenn es nicht immer ganz gelingt. Denn es steckt Zeit darin. Und Zeit, gehört zu den kostenbarsten Dingen in unserem Leben.

Wenn Ihr mehr über das Thema wissen wollt, kann ich euch die Seite www.degrowth.de empfehlen. Mich hat das Thema gepackt und vielleicht ist ja der eine oder andere auch dabei die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

19 Gedanken zu “„Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen“ – Fight Club

  1. 🔆Sigrid🔆aktiv60plus🔆 schreibt:

    Wir kaufen schon lange keine Geschenke mehr zu Weihnachten und in der Stadt dem Shoppingwahn zu fröhnen habe ich längst aufgegeben. Als ich vor 8 Jahren aus einem großen Haus auszog, um in eine kleine Wohnung zu ziehen, habe ich unzählige Kartons gefüllt mit Büchern, Geschirr, Klamotten, Deko usw. usw. und alles meiner Kirchengemeinde geschenkt, die Flohmärkte veranstaltet und den Erlös einer guten Sache zukommen lässt. Heutzutage kaufe ich nur noch, was ich wirklich brauche und behalte nichts, was ich zwei Jahre nicht mehr benutzt habe. Bekommt alles das Sozialkaufhaus der Diakonie. War ich erst kürzlich wieder dort! LG Sigrid

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      • 🔆Sigrid🔆aktiv60plus🔆 schreibt:

        Das Gute ist, dass dieses Kaufhaus nicht kostenlos ist, sondern dort zu sehr günstigen Preisen alles gekauft werden kann von Geschirr, über Kleidung bis Möbel – alles gebraucht, aber nicht für umsonst. Was „umsonst“ ist, wird womöglich nicht geschätzt oder es wird einfach mitgenommen und irgendwo wieder entsorgt. Deshalb gebe ich alles dort ab, was noch gut ist oder ich selbst einige Jahre getragen habe, aber zu schade für den Container ist. Bücher bringe ich in eine „Bücherbox“, wo jeder Bücher entnehmen oder leihen kann. Ich hole dort auch oft Bücher, lese sie und bringe sie wieder hin. So findet dann fast jedes Buch noch einen Interessenten. Habe dort schon die tollsten Bücher gefunden. Ich sammle selbst überhaupt keine Bücher mehr, nur noch Fach- oder Sachbücher. Romane, Taschenbücher gebe ich alle weiter an andere.
        Man muss sich nur umhören; Wiederverwertung gibt’s fast für alle Dinge. Schönen Abend noch!

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  2. Jochen Koinzer schreibt:

    Euer Thema ist wirklich ein „Thema“. Ich selbst komme auch nicht da ganz raus. Allerdings habe ich doch noch den Anspruch, viel Wohlgefühl in mein Leben innen und außen zu erhalten. Das bin ich gewohnt und will es so haben. Auch dann, wenn der „Konsum“ damit angekurbelt wird. Es ist halt so wie immer: Der Mittelweg ist sicher vertretbar. Und selbst den Mittelweg zu erhalten ist nicht einfach.
    Jochen

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    • Carochan schreibt:

      Hallo Jochen,
      Wohlfühlen ist unglaublich wichtig, natürlich. Es geht ja eher über den Überfluss. Im Prinzip alles, was darüber hinaus geht. Aber wo diese Grenze zum Überfluss anfängt, muss jeder selbst entscheiden 🙂

      Viele Grüße
      Caro

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  3. marleyfaber schreibt:

    Ich wünschte mir mehr Menschen würden einsehen, dass Kaufen Kaufen Kaufen, nicht glücklich macht. Persönlich beschränke ich mich seit langem auf das Notwendigste und mir geht es gut dabei.
    Vor einigen Monaten lief eine Doku im TV – Zufall, dass ich das gesehen habe, ich sitze sehr selten davor – über Henry Ford und wie er angeblich (ich habe das nicht weiter recherchiert) die moderne Konsumgesellschaft erfunden hat. In dem er jedes Jahr ein neues Auto vom Band lieferte, das etwas anders war, als das vom letzten Jahr. Im Beitrag wurde ebenso behandelt wie sich Konsumenten verhalten, wie man das ausnutzen kann und was eigentlich mit den ganzen Schuhen passiert, die auch im Schlussverkauf keinen Käufer gefunden haben (BBC Doku). Sehr interessant.
    Was bei euch Sozialkaufhäuser sind, sind bei uns in Australien die Second Hand Shops. Man spendet seine Sachen, aber sie werden nicht verschenkt, sie werden für einen geringen Betrag weiter verkauft.
    In meiner kleinen Familie haben wir an Kleidung nur das absolut Notwendigste. Damit leben wir sehr gut. Wenn man sich vor Augen führt, dass man ohnehin oft die Lieblingskleidung anzieht und der Rest im Schrank vor sich hindümpelt, ist das durchaus machbar.
    Weihnachtskonsumrausch gibt es bei uns auch nicht. Ich mache da nicht mehr mit – es widert mich an.
    Als absolute Leseratte habe ich mir seit Jahren angewöhnt Bücher schneller zu entsorgen. Ich will keine zig gefüllte Regale mehr im Haus haben – egal ob mit gelesenen oder ungelesenen Büchern. Früher tat mir das in der Seele weh mich von Büchern zu trennen, heute geht das locker. Im Übrigen leihe ich mir auch schon mal aus der Bücherei Bücher oder lese viel elektronisch.
    Und so kann ein jeder genau das tun, was zum eigenen Leben passt. Man muss nicht total asketisch leben, aber man lebt bewusster. Und das ist gut so.

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  4. WoMolix schreibt:

    Sehr gut geschrieben, Carolin. Scön, das es menschen gibt wie euch, die so denken wie ihr, auch wenn es noch wenige sind. Deiner Argumentation, die ich voll und ganz Teile, möchte ich noch einen weiteren Gedankengang hinzufügen. Der Einsatz kommt aus einer ganz anderen Ecke, führt aber letzten Endes zudem genau gleichen Ergebnis dass du hier beschreibst.
    https://womolix.wordpress.com/2016/06/06/lesenswertes-grundrecht-auf-glueck-bhutans-vorbild-fuer-ein-gelingendes-miteinander/

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