Wie du deiner Familie am besten sagst, dass du auf Reisen gehst

Ob du ein Auslandssemester im wilden Australien machst, mit einem Van durch Kanada fahren willst oder als Au-Pair nach Costa Rica reist. Vielleicht willst du dir aber auch eine Auszeit nehmen und aussteigen. Wir leben in einer Zeit, in der die Möglichkeiten so vielfältig sind, dass man sich kaum entscheiden kann.

Kommst du aus einer Familie, die selbst nicht besonders viel gereist ist? Dann kann es schwer sein, die richtigen Worte zu finden. Wenn der Moment gekommen ist, von den aufregenden Plänen deines neuen Abenteuers zu erzählen, solltest du die richtigen Worte parat haben.

Bereits viermal musste ich meiner Familie sagen, dass ich nicht in Deutschland bleiben will. Nach jeder Reisepause musste ich erneut die richtigen Worte finden. Vor wenigen Tagen haben Adi und ich unseren Familien gebeichtet, dass Sie erstmal nicht mit Babys rechnen sollten – Wir hauen erstmal wieder ab!

Nicht jeder wird es für eine super Idee halten, alles stehen und liegen zulassen und einfach abzuhauen. In diesem Beitrag habe ich ein paar Ideen aufgelistet, wie du auf solche Kommentare reagieren kannst. Wenn du erstmal weg ist, gewöhnen sich vielleicht alle schnell daran, dass du nicht da bist. Nimm‘ das auf keinen Fall persönlich. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier.

Die Reaktionen die ich bisher erlebt habe, waren sehr unterschiedlich. Von Tränen bishin zu Desinteresse war ziemlich alles dabei. Am besten stellt man sich auf jede Reaktion ein. Ich habe Glück, dass meine Familie und Freunde verstehen, wie wichtig das Reisen für mich ist. Aber das hält sie nicht davon ab, sich Sorgen zu machen.

‚Das ist doch nicht sicher!‘

Das ist die häufigste Reaktion, die ich bisher zu hören bekommen habe. Vor allem, als ich alleine nach Indien gereist bin. Gerade Alleinreisende sollte jetzt aufmerksam weiterlesen. Dass sich Familie und Freunde um deine Sicherheit sorgen, ist schließlich auch ein Zeichen dafür, wie wichtig du Ihnen bist.

Vielleicht erwähnen sie dann die schrecklichen Szenarien wie Kidnapping, Überfälle, Vergewaltigungen, wenn nicht sogar Ermordungen. Ist ja alles schon irgendwo, irgendwann, bei irgendwem passiert. Eltern von weiblichen Alleinreisenden sind hier wohl eher besorgt.

Wie du darauf reagieren könntest:
Versichere ihnen, dass du dich regelmäßig melden wirst. Schließlich wirst du keine unnötigen Risiken eingehen. Per Skype und Mail kannst du dich regelmäßig melden.
Wenn du sie dann immer noch nicht überzeugt hast, kann eine Pfeife oder Pfefferspray, das du auf deine Reisen mitnehmen willst, sie vielleicht beruhigen. Registrierungen bei der Botschaft können zusätzlich für ein besseres Gefühl sorgen. Letztendlich passieren solche Dinge leider überall auf der Welt. Auch im vermeintlich sicheren Deutschland.
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Wenn du vorhast zu trampen, um Geld zu sparen, solltest du das bei besorgten Eltern besonders behutsam vorgehen. Ich persönlich habe nur in Ländern wie Australien und Neuseeland getrampt. Hier steht das auch an der Tagesordnung und ist ganz normal. Innerhalb dieser Jahre  habe ich keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Im Gegenteil. Meistens habe ich nette und aufgeschlossene Menschen kennengelernt, die auf langen Fahrten nur ein bisschen Gesellschaft haben wollten.

 

‚Und was wird aus deinem Studium oder deinem Job?‘

Vielleicht fragen sie dich, wie du das mit deinem Job anstellen willst und warum du deine Karriere einfach so hinwirfst. Wenn du dein Studium unterbrichst, kannst du dir vielleicht anhören, dass du aufgibst und vor etwas davon läufst. In so einem Fall sind das vielleicht die richtigen Argumente.

Wie du darauf reagieren könntest:
Sage ihnen, dass du deine Karriere und dein Studium ernst nimmst. Deine Reise soll dich dabei unterstützen, mehr von der Welt zu lernen und das wird dir im späteren Berufsleben mehr Selbstbewusstsein geben. Außerdem wird es dir helfen, in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Es gibt Dinge am Reisen, die kann man nicht im Studium oder im Alltag lernen.
Außerdem kannst du jederzeit weiterstudieren oder einen Job wirst du auch finden.

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‚Du wirst hier so viel verpassen!‘

Das stimmt! Du wirst einiges verpassen, während du weg bist. Hochzeiten, Geburtstage und Babypartys. Das Leben in Deutschland geht weiter ohne dich. Einige deiner Freunde sagen vielleicht: ‚Aber was ist denn mit dem Festival, willst du das wirklich verpassen?‘ oder ‚Die Hochzeit deiner Cousine ist doch bald. Da kannst du doch nicht fehlen.‘

Wie du darauf reagieren könntest:
Sag ihnen, dass es dir leid tut, dass du nicht dabei sein kannst. Du hättest es wirklich gerne miterlebt. Aber dieser Trip ist wichtig für dich.
Wenn es sich zum Beispiel um eine Hochzeit handelt, kannst du mit einem kleinen Geschenk zeigen, dass du an sie denkst. Wenn du Ihnen wichtig bist, dann werden sie deine Entscheidung respektieren.

 

‚Mach es, so lange du noch jung bist!‘

Das höre ich sehr häufig. Die meisten werden sich für dich freuen. ‚Ist bestimmt aufregend, aber nicht alle haben so eine Möglichkeit.‘ Natürlich ist es nicht allen so wichtig zu reisen, wie mir oder vielleicht auch dir. Viele setzen ihre Prioritäten im Leben anders und können deine Entscheidung nicht nachvollziehen. Respektiere das. Es gibt kein ‚Besser‘ oder ‚Schlechter‘. Nimm‘ das aber nicht persönlich und versuche nicht jemanden zu überzeugen, der eine andere Einstellung dazu hat. Jeder muss wissen, was für einen selbst der richtige Weg ist.

Wie du darauf reagieren könntest: Streife es von dir ab. Du hast etwas, worauf du dich freuen kannst. Lass andere, nicht von deinem Ziel abbringen. Wenn du erst einmal fort bist, wirst du froh sein, dass du die Chance ergriffen hast.

Am Ende machen wir alle unsere eigenen Entscheidung. Wir brauchen keine Erlaubnis. Dennoch macht es Sinn die Nachricht rücksichtsvoll zu übermitteln. Vielleicht werden einige wirklich traurig sein, dass du für längere Zeit nicht da sein wirst.

 

Mich interessiert, wie es euch ergangen ist. Habt ihr es schon hinter euch diese Nachricht zu überbringen? Wie haben eure Familien, Freunde und Kollegen reagiert?

14 Gedanken zu “Wie du deiner Familie am besten sagst, dass du auf Reisen gehst

  1. klabauterfrau schreibt:

    Ich bin damals ( 1992) spät abends zu meinen Eltern ins Schlafzimmer und habe ihnen gesagt, das ich in 2 Monaten für 1 Jahr als Au pair nach Holland gehe mit Törn in die Karibik…..Gute Nacht…..Ja, die Nacht musste noch warten. Mein Dad fand es toll, meine Mutter hatte zig Argumente dagegen…..Bin trotzdem aufgebrochen…leider nur nach Holland, Deutschland und Skandinavien…Karibik wurde leider abgeblasen:(

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  2. Benjamin Hittel schreibt:

    Da ich gerade plane eine spirituelle Expedition in den Amazonas neben Hochzeitsplanung und neuen beruflichen Herausforderungen zu machen kam der Artikel genau zur rechten Zeit. Danke. Habt ihr denn auch Erfahrungen, wie man für so ein Projekt Geld auftreibt :-)?

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    • Carochan schreibt:

      Hallo Benjamin,
      das kommt mir sehr bekannt vor. Wir haben uns letztes Jahr auch sehr viel vorgenommen. Wir haben geheiratet, sind umgezogen und haben jeweils einen neuen Job begonnen und jetzt wollen wir wieder aufbrechen. Deine Pläne hören sich wirklich spannend an. Wirst du auf deinem Blog darüber berichten?
      Ich beantworte dir gerne deine Frage, wie wir dafür das Geld auftreiben wollen. Zunächst einmal gehören wir nicht zu denjenigen, die über ein großes Sparguthaben verfügen. Schulden haben wir jedoch auch keine. Was wohl schon eine gute Voraussetzung ist. 😉
      Wir streben einen Lebensstil an, der nicht vom Konsum beherrscht wird und in dem wir so unabhängig wie möglich vom Geld sind. Einige schlagen sich jetzt vielleicht die Hände über den Kopf und sagen, dass das absurd ist. Natürlich werden wir dem Geldsystem nicht vollkommen entfliehen können. Wir sind gerade dabei uns mehrere kleine Standbeine aufzubauen. Eines dieser kleinen Standbeine ist zum Beispiel Straßenmusik. Außerdem schreibe ich sehr gerne und unterstütze eine Website mit Artikeln, wobei gelegentlich ein paar Groschen bei abfallen. Ideen sind reichlich vorhanden. Welche dieser Ideen letztendlich funktionieren, wissen wir noch nicht. Aber der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt 🙂 Natürlich ist das nichts, wobei man reich wird. Aber wir streben auch nicht nach Reichtum. Was uns wirklich wichtig ist, ist Zeit.
      Wenn man also einen bescheidenen Lifestyle hat, kann man auch mit einem kleinen Einkommen, recht weit kommen.

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      • Benjamin Hittel schreibt:

        Freiheit :-). Ja, das ist schön, wie du das schreibst. Danke für deine Antwort. Uns geht es genauso. Es ist sehr beruhigend, zu hören, dass es andere schon „hinter sich gebracht haben“. Danke fürs Mut-Machen.

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  3. 🔆Sigrid🔆aktiv60plus🔆 schreibt:

    Diese Nachricht musste ich meinen Eltern, Freunden und Verwandten nicht überbringen, denn wir sind halt ganz normal verreist – für einige Wochen, damals aber ohne jeglichen Kontakt nach Hause. Da waren die Eltern froh, wenn wir wieder gut zu Hause ankamen.

    Ich habe aber heute eine ganz andere Nachricht für euch, denn ich habe euch nominiert für LIEBSTER AWARD und dazu hier der Kurzlink. Ihr findet einen Link zu eurem Blog weiter unten im Beitrag http://wp.me/p6pS9d-3d2

    Übrigens freue ich mich, dass ihr mir „folgt“. Dankeschön! Liebe Grüße von Sigrid

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  4. ...der Berliner schreibt:

    Mir stellte sich die Frage nicht, denn mit 19 Jahren hatte ich meine Ausbildung hinter mir und war mein eigener Herr (mehrere hundert Kilometer Distanz zum Elternhaus).
    Meine 19jährige Enkelin ist seit Oktober 2016 in Neuseeland und wird erst im Oktober zurück erwartet. Da hatte meine Tochter und der jüngste Bruder von ihr schon ganz andere Sorgen. Aber es gibt ja Skype und WhatsApp (je nach dem, wo sie ein Netz findet).

    G. l. G. Jochen

    Gefällt 1 Person

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