Der Sprung aus dem Hamsterrad – Und was dann?

Die 40-Stunden-Woche ist in unserer Gesellschaft zum Standard geworden. Sie ist so sehr etabliert, dass sie nicht mehr hinterfragt wird. Wir sind gerade dabei, genau das zu tun. Fragen stellen. Im vergangenem Jahr haben wir uns kaum entwickelt, weil wir so sehr mit unserem Alltag beschäftigt waren und vor Erschöpfung nicht mehr nach rechts oder links geschaut haben. Wir hatten weder Zeit kreativ zu sein, den Kopf frei zu bekommen oder uns mit wichtigen Themen auseinander zusetzen. Unsere täglichen Energiereserven haben wir bisher bei der Arbeit aufgebraucht. Nun fangen wir an Fragen zu stellen, die uns unsere Politiker und unsere Medien nicht mehr beantworten können. Wir strecken unsere Fühler aus und saugen alles auf, was mit dem Thema zu tun hat. Die Antworten, die wir bisher bekamen, haben uns sehr nachdenklich gestimmt. Jeden Tag verwickeln wir uns in interessante Diskussionen über das Geldsystem, über Fragen zur Politik und vor allem zum Glück.

Adi und ich sind Ende Zwanzig. Einige Freunde in unserem Alter sind dabei Familien zu gründen und Häuser zu bauen. Aber ist es der Sinn des Familienlebens, die Kinder in die Kita zu stecken, um dann Zeit für die Arbeit zu haben, um dann wiederum mit dem verdienten Geld die Kita zu bezahlen? Niemand konnte uns darauf eine Antwort geben. Mit Aussagen wie: „So ist das halt.“ und „Da kann man nichts machen, das war schon immer so.“ können und wollen wir uns nicht zufrieden geben. Gibt es eine Alternative, in der wir unsere Prioritäten auf die Zeit legen?

Auf der Suche nach mehr Zeit

Das Ziel ist, uns ein Leben aufzubauen, in dem sich nicht alles um die Arbeit dreht. Ein Leben, in dem wir keine Kredite aufnehmen müssen, die wir unser halbes Leben abzahlen müssen. Ein Leben, in dem wir genug Zeit haben, unsere persönlichen Ziele zu erreichen und unsere Fähigkeiten ausbauen können. Ist so etwas möglich?

Die vergangenen Wochen waren eine Berg und Talfahrt. Ein Schritt nach vorne und zwei wieder zurück. Vielleicht kennt ihr das. Wir haben uns jedoch nicht unterkriegen lassen. Denn unser Ziel ist klar vor Augen und in greifbarer Nähe. Kanada. In drei Wochen geht es los und die Flüge sind gebucht.

Die ersten Schritte für ein unabhängiges Leben fingen damit an, unsere Jobs zu kündigen. Ein unfassbar befreiendes Gefühl, das ich hier bereits  in einem Beitrag ausführlich beschrieben habe. Viele von uns legen sehr großen Wert auf Sicherheit. Der Preis für diese Sicherheit ist jedoch, um es sehr provokant auszudrücken, die moderne Sklaverei. Genau dort befinden wir uns derzeit, mit dem Geld als Peitsche und sozialer Anerkennung als Überlebensziel.
Das Verlangen nach Sicherheit ist nur vorhanden, wenn Ängste geschürt werden. Wir haben uns diesen Ängsten gestellt, nachdem uns klar wurde, woher diese Ängste kommen und wer von ihnen profitiert.

Als nächstes haben wir unseren Mietvertrag gekündigt. Wir haben nie viele Möbel besessen, aber die wenigen die wir hatten, sind alle verkauft oder verschenkt. Die Erlöse aus dem Verkauf wanderten direkt in unsere Spardose. Nach jedem Möbelstück, das aus unserem Haus getragen wurde, konnten wir besser atmen.

Wir haben alle Verträge gekündigt, die uns monatlich einen großen Teil unseres Gehalts gekostet haben. Fitnessstudio, Angelverein, Internet. Selbstverständlich alles mit vertraglichen Laufzeiten von mindestens einem Jahr. Wenn ein Produkt gut ist und den Menschen einen Mehrwert schafft, wieso hat dann alles eine Vertragslaufzeit?

Jeder von uns setzt seine Prioritäten anders.

Wir wollen unser Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Wir haben einige Ideen, die wir versuchen werden in Kanada umzusetzen. Natürlich bringt es nichts, wenn wir in Kanada direkt wieder in das Hamsterrad springen und dort weiter machen, wo wir in Deutschland aufgehört haben.

Wir werden euch regelmäßig von unseren Erfolgen und auch von unserem Niederlagen berichten. Wenn es euch interessiert, wie sich unser Leben entwickelt und ob es tatsächlich möglich ist ein Leben zu führen, das nicht von Arbeit beherrscht wird, dann begleitet uns auf unserer Reise an die andere Seite der Welt.

 

32 Gedanken zu “Der Sprung aus dem Hamsterrad – Und was dann?

  1. BeSunni schreibt:

    Oh ich bin sehr gespannt!!

    Ja.. freu leben.. seine Berufung finden..
    das klappt mit Kind in D aufgrund der Schulpflicht schon mal nicht.
    Aber innerlich frei zu sein hilft dabei, die Pflichten leichten Herzens zu erledigen und sogar Freude dabei zu spüren, wenn Dinge / Erlebnisse / Situationen / DAS LEBEN einfach gut ist 😘❤️

    Viel Erfolg auf eurer Reise 🙏🏻🍀✊🏻

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  2. EVABTRAVELBLOG schreibt:

    Super interessanter Artikel, ihr seid jung und macht das richtig!!! Leider stellen viele erst im höheren Alter fest, das sie in ihrer Lebensplanung einen Fehler gemacht haben! Wünsche euch für euer Vorhaben ganz viel Erfolg und bin auch schon mächtig gespannt, wie es weitergeht!

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  3. dieMondin schreibt:

    Ich ziehe meinen Hut vor eurem Mut! Aber ihr macht das einzig Richtige. Ihr seid jung und die Welt gehört noch euch.
    Sich gegen dieses Hamsterrad zu stellen ist absolut richtig.
    Wenn ich bedenke mit welch einem Gehalt versucht wird mich bei einer Vollzeitstelle „abzuspeisen“ – das Ganze bei meinen Erfahrungen. Diese Gehaltsschraube nach unten, die Menschen immer weiter drücken, mache ich nicht mit. Wer mich möchte darf sich Wert schätzend zeigen.
    Für euer Vorhaben wünsche ich euch viel Glück. Es wird sicher Hürden geben, aber ich bin überzeugt, dass ihr das schaffen werdet. Ich freue mich bei eueren Abenteuern dabei zu sein.
    Liebe Grüße
    Ulrike

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  4. purpurtraum schreibt:

    Finde das großartig von euch: ihr passt euer Handeln eurem Erkennen an. Bei vielen ist es genau umgekehrt. Die Angst zwingt in die Strukturen, verleitet uns immer noch einen Kompromiss einzugehen. Und für viele heißt das zu arbeiten bis zur Erschöpfung und es doch nie in ein angstfreies Leben schaffen zu können.
    Wünsch euch sehr, dass ihr Konzepte entdeckt, die euch ein harmonischeres, menschlicheres Leben ermöglichen.
    Liebe Grüße!

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  5. sternenkind11 schreibt:

    Ich wünsche euch von Herzen Mut, Durchhaltevermögen und den unerschütterlichen Glauben daran, dass es machbar ist, den eigenen Rhythmus zu leben. Auch wenn der Weg nicht geradlinig verläuft. Und vor allem Freude :-)! Bei mir war es Ende 20 auch so weit 😉 : ich habe meinen „sicheren“ Job in der Werbebranche gekündigt und bin vorübergehend Tagesmutter geworden. Allerdings bin ich in Deutschland geblieben (im Ausland war ich davor schon). Jetzt ein paar „Jährchen“ später kann ich nur sagen: die beste Entscheidung meines Lebens. Keine Sekunde bereut :-). Deshalb kann ich euch nur bestärken euren Herzensweg zu gehen und freue mich schon, von euren Erfahrungen zu hören. Das Beste für euch 🙂

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  6. hello danane schreibt:

    ooohhhh, ich bin unglaublich gespannt auf eure Erzählungen aus Kanada.
    Und das mit dem Hamsterrad verstehe ich so sehr. Ich bin Dezember 2015 auch aus dem Rad gesprungen. Seit dem fühle ich mich so viel wohler. Ein Hoch auf die Selbstständigkeit. Nichts und niemand wird mich mehr in dieses gesellschaftlich anerkannte Rad bekommen. 9 to 5 von Montag bis Freitag? No way.

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  7. lukonblog schreibt:

    Hi ihr beiden! 🙂
    Glückwunsch zu eurer Entscheidung – für mich war es genau das richtige, alles aufzugeben und nach Kanada zu fliegen.
    Macht ihr Work and Travel? Und wo genau gehts hin?
    Liebe Grüße über den Teich,
    Luisa

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    • Carochan schreibt:

      Hallo Luisa,
      wir werden am Donnerstag nach Vancouver fliegen. Wir hoffen, dass das eine gute Ausgangsposition ist. Von hier werden wir uns dann ‚treibenlassen‘ und sehen was passiert 😉 Wir haben ein WHV, aber haben vorerst nicht vor zu arbeiten, sondern wollen British Columbia bereisen. Bist du denn noch da?
      Scheinbar gefällt es dir, das freut mich zu hören!
      Viele Grüße

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      • lukonblog schreibt:

        Hi Caro,
        ja ich wohne nach wie vor in Whitehorse im Yukon und mir gefaellt es sehr gut hier! 🙂
        Zwei meiner Freunde aus dem Yukon sind vor ein paar Tagen von einem Besuch von Vancouver Island wiedergekommen und haben wunderschoene Fotos geschossen von riesigen Baumen, verwunschenem Maerchenwald und traumhaften Straenden. Lohnt sich bestimmt, wenn ihr schon mal da seid und reisen wollt!
        Viele Gruesse und viel Spass!
        Luisa

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