Gran Canaria – Nur nackte Körper und Massentourismus?

Nach einem langen und kalten Winter in Deutschland hatten wir die Schnauze voll. Unser Vitamin D war vollkommen aufgebraucht. Die Sonne haben wir eine ganze Weile nicht zu Gesicht bekommen. Adi und ich waren uns einig. Die Durststrecke von einem Monaten bis es endlich nach Kanada geht, würden wir nicht überstehen. Spontan haben wir uns deshalb zwei Tickets in die Sonne gebucht. Zur Überraschung unserer Freunde buchten wir eine Woche Gran Canaria. Die kleine Insel vertritt hierzulande das Image eines Urlaubsziels, das schon seit den Achtzigern vom Massentourismus befallen ist.

Grundsätzlich haben wir in der Vergangenheit die skandinavischen Länder bevorzugt. Hier wußten wir vor allem auch die Einsamkeit zu schätzen.

Da wir jedoch diesmal auf der Suche nach Vitamin D waren, fielen diese Länder im März leider raus. Auf der kleinen Insel herrschen das ganze Jahr über angenehme Temperaturen. Das liegt sowohl an der Nähe zum Äquator als auch an dem vorbeifließenden Golfstrom.

Ganz unvoreingenommen haben wir uns für Gran Canaria entschieden, da es wohl einige gute Angelspots geben sollte, bei der Adi auf Karpfen und Schwarzbarsch angeln kann. Nach meinen Recherchen sollte es auf Gran Canaria auch tolle Wanderwege geben, die ich austesten wollte. Warum die kleine Insel unserer Meinung nach unterschätzt wird und was uns so überrascht hat, verraten wir euch in diesem Beitrag.

All inclusive – All you can eat, whenever you want!

Da wir an ein unschlagbar günstiges Angebot gekommen sind, haben wir uns diesmal für ein All-inclusive-Resort im Süden an der Playa de Ingles entschieden. Was wahrscheinlich für die meisten nichts Außergewöhnliches ist, war für mich und Adi als eingefleischte Rucksacktouristen, ein kleiner Kulturschock.
Wir müssen uns um nichts kümmern? Wir dürfen so viel essen und trinken, wie wir wollen und das auch noch zu jeder Tageszeit? An diese simple Nahrungsbeschaffung mussten wir uns tatsächlich erst einmal gewöhnen. Nach einigen Tagen bemerkten wir, dass der Großteil der anderen Hotelgäste das Resort tatsächlich nie verlassen haben und dass die Mahlzeiten Ihren Tagesablauf bestimmten. Zwischen den Mahlzeiten wurde sich nackig an den Pool gelegt und das Tag für Tag. Schließlich muss man hinterher im Büro nahtlose Bräune präsentieren. Das war uns aber zu langweilig.

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Adi und ich sind Aktiv-Urlauber. Deswegen haben wir uns gleich am zweiten Tag einen Mietwagen besorgt, um die schönen Berglandschaften Gran Canarias zu entdecken. Mit Angel und Wanderschuhen im Gepäck fuhren wir erst einmal drauf los. Der Süden Gran Canarias ist eher trocken und von karger Vegetation geprägt. Die wüstenähnlichen Gebiete haben uns das Gefühl gegeben in einer Szene von ‚Breaking Bad‘ zu sein, in der Walter White und Jesse Pinkman illegale Substanzen in einem klapprigen Wohnmobil herstellen. Zurück in der Realität haben wir nach nur wenigen Kilometern zwei nebeneinanderliegende Stauseen gefunden. Adi hat die Gelegenheit genutzt nach langer Zeit endlich wieder seine Angel auszuwerfen. Er hat erst vor einiger Zeit das Fliegenfischen für sich entdeckt, nachdem er jahrelang mit der Spinnrute unterwegs war. Man konnte ihm sichtlich anmerken, wie ihm das Angeln gefehlt hat. Auch wenn er nach mehreren Stunden keinen Fisch an der Angel hatte, war er trotzdem sehr zufrieden.

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Ich habe in der Zwischenzeit die Gegend erkundet und ein Paar Schnappschüsse machen können. Ungefähr zwanzig kleine Schildkröten schwammen in einem der Seen herum. Es hat einige Zeit gedauert, bis man erkannt hat, dass es sich tatsächlich um Schildkröten handelt.

Wer hoch hinaus will sollte sich die Wanderung zum Roque Nublo nicht entgehen lassen

Weiter im Landesinnerein in dem Örtchen Tejeda befindet sich das wichtigste Wahrzeichen Gran Canarias – Der Roque Nublo. Er ist einer der größten natürlichen Felsen weltweit. Er liegt 80 Meter über seinem Sockel und 1.813 Meter über dem Meeresspiegel. Rundherum liegt ein Naturschutzgebiet. Obwohl der Roque Nublo eine gigantische Erscheinung hat ist er aber nicht der höchste Berg Gran Canarias. Gleich nebenan ist der Pico de Las Nieves, der mit 1.949 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Ort Gran Canarias ist.

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Es gibt eine einfache Route die zum Gipfel des Roque Nublo führt. Sie beginnt auf der Landstrasse, der man ungefähr 1,5 Kilometer folgt, bis man in die Nähe des Naturdenkmals und des daneben liegenden Roque de La Rana gelangt. Auf dieser Route bekommt ihr atemberaubende Ausblicke auf die großen Stauseen Las Niñas, Chira und Soria sowie auf die malerischen Orte Artenara und Acusa. Oben angekommen entschädigt die Panoramalandschaft jede Anstrengung. Hier ist Zeit einmal tief durchzuatmen. Einer der Gründe warum mich Wandern so fasziniert, ist der Moment, wenn man oben angekommen ist und es scheint als würde die Zeit still stehen. Es ist dann meistens so ruhig, dass man seinen eigenen Atem hören kann. Auch wenn man nach einer langen Wanderung erschöpft ist, finde ich hier eine gute Möglichkeit neue Energie zu tanken.

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Ein kleiner Geheimtipp für den Gaumen:

Wer mal etwas anders dinieren will, sollte dem Höhlenrestaurant ‚Restaurante Tagoror Cueva de Bartolo‘ in Montaña las Tierras einen Besuch abstatten. Wie der Name schon sagt, wurde das Restaurant urtümlich in einen Berg hineingebaut. Geboten wird ein netter Service und ein gemütliches Ambiente, das man nicht jeden Tag geboten bekommt. Hier gelangt ihr direkt auf die Websites des Restaurants.

Natürlich hat Gran Canaria auch schöne Strände zu bieten. Leider ist von Ihnen nicht viel zu sehen, da sie so überfüllt sind, dass man kaum noch etwas von dem feinen Sandstrand sieht. Das scheint die meisten jedoch wenig zu stören. Die Touristen lieben die Strände dort. Wer sich gerne nackig macht, hat am abgetrennten FKK-Strand in Maspalomas die Gelegenheit dazu. Hier befinden sich auch die berühmten Dünen von Maspalomas.

Unser Fazit

Wir konnten recht günstig eine Woche relaxen und Sonne tanken. Auch wenn man sich viele Attraktionen mit vielen anderen teilen muss, sind wir positiv überrascht. Gran Canaria ist eine wirklich fassettenreiche Insel. Und wenn man will kann man den Massen entkommen und die wahren Schätze der Insel finden. Jedoch muss man in Kauf nehmen, dass man eine Zwischenmahlzeit im All-inclusive-Resort verpasst.

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Was das angeht sind Adi und ich uns einig: Wir beide bevorzugen es im Zelt zu übernachten, um das richtige Wildlife zu erleben. Für uns gibt es nichts schöneres als nach einer Wanderung vor einem kleinen Feuer unser eigenes Essen zu zubereiten.

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Gran Canaria, vielleicht kommen wir irgendwann einmal wieder. Dann aber mit Zelt. Bis dahin.

7 Gedanken zu “Gran Canaria – Nur nackte Körper und Massentourismus?

  1. minimalismusentspannt schreibt:

    Super Beitrag, ja es ist echt traurig und tragisch zu sehen, das viele Touristen die Hotels nie verlassen!!! Wir bekommen einen Hotelanfall und waren schon ewig nicht mehr im AllInn 😊😊😊 Das Risiko eine Mahlzeit zu verpassen ist für manche wirklich enorm 😂😂😂 wie schön das ihr Sonne tanken konntet, das ist das Beste überhaupt und die Insel in ihrer Vielfalt kennen gelernt habt!

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  2. 🔆Sigrid🔆aktiv60plus🔆 schreibt:

    Wenn ihr nächstes Mal auf die Kanaren fliegt, dann empfehle ich Teneriffa. Eine sehr abwechslungsreiche Insel. Anaga- und Teno-Gebirge sind ganz bestimmt nicht überlaufen und es gibt noch viele, viele andere Orte dort, die es zu entdecken lohnt. Vor allem oben im Nationalpark Teide. All-in Hotels buchen wir nie mehr, max. HP, aber meistens suchen wir uns kleine Restaurants, wo es frischen Fisch gibt. Dass Leute in ein Land reisen oder auf eine Insel und keinen Schritt vor die Hotelanlage setzen ist und bleibt mir schleierhaft. So bin ich noch niemals unterwegs gewesen, auch wenn ich komfortable Hotels schätze – darf man ja mit 65 – aber wir sind auch ständig unterwegs und sind auf Teneriffa viel gewandert – ganz ohne Wanderführer, nur wir beiden! Ihr seid ja aber erst mal in Kanada! So ein großes Land! Alles Liebe, Sigrid

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