Sind wir gefährliche Verbrecher und wissen es nur noch nicht? Unser ESTA-Antrag wurde abgelehnt

Die USA haben seit 2008 das ESTA-Verfahren eingeführt. Es ist als erweiterte Sicherheitsüberprüfungen für Reisende in die USA aus Ländern, die am Visa-Waiver-Programm teilnehmen, eingeführt worden. Jeder der vorhat in die Vereinigten Staaten zu reisen, muss das elektronische Reisegenehmigungssystem durchlaufen. Auch wenn man lediglich eine Zwischenlandung hat oder die USA nur überfliegt ist eine ESTA-Bewilligung erforderlich. Mit einer Bewilligungsquote von 99 % ist es für die meisten eine reine Formalität. Das Ausfüllen des Antrages ist ganz einach online möglich. Step by Step wird man durch die Fragen geführt, zu denen man persönliche Angaben und Reisepläne preisgibt. In drei Tagen soll unser Flieger nach Kanada gehen. Da wir eine kurze Zwischenlandung in Seattle haben, mussten auch wir den ESTA-Antrag stellen. Gestern bekamen wir die Schocknachricht: Die Reise wurde nicht genehmigt.

In den vergangenen Jahren habe ich schon viele Visumanträge ausfüllen müssen. Nicht selten saß ich mehrere Stunden daran. Vor allem die Arbeitsvisen für Indien und Japan hatten es echt in sich. Um unser Working-Holiday-Visum für Kanada haben wir uns bereits letztes Jahr im Oktober gekümmert. Ohne mit der Wimper zuzucken, wurden unsere Visen für Kanada genehmigt. Erst nach dieser Genehmigung haben wir unsere Flüge mit Zwischenlandung in Seattle gebucht. Das Ausfüllen des ESTA-Antrags war damit verglichen ein Kinderspiel. Es hat nur wenige Minuten gedauert, bis ich alle Reisepassdaten eingegeben habe und alle Fragen zu Terrorabsichten, Vorstrafen und gefährlichen Krankheiten selbstverständlich verneint habe. Nach Bezahlung der Gebühr von 14 Euro pro Person wurden wir vom System um Geduld gebeten, da die Bearbeitungszeit noch etwas dauern kann. Wir sollten den Status zu einem späteren Zeitpunkt erneut prüfen. Zu dem Zeitpunkt haben wir uns noch nichts dabei gedacht. Ich habe in der Reisebranche gearbeitet und noch nie davon gehört, dass ein ESTA-Antrag von deutschen Staatsbürgern abgelehnt wurde. Deswegen sind wir sehr entspannt an die Sache gegangen und haben den Antrag als notwendige Formalität gesehen, bei der wir problemlos durchgewunken werden.

Wir konnten es nicht fassen. Der Antrag wurde ohne Begründung abgelehnt. Sofort haben wir jeden einzelnen Buchstaben verglichen und haben den Antrag so oft durchgelesen, bis wir ihn fast auswendig aufsagen konnten, aber wir haben einfach keinen Fehler gefunden. Was hatte das zu bedeuten?

Ein erneutes Ausfüllen wäre erst in zehn Tagen möglich. Da unser Flug in drei Tagen ging, war diese Option ausgeschlossen. Dazu käme, dass der Antrag dann wahrscheinlich ein zweites mal abgelehnt wird, da sich an unseren Daten nichts geändert hat.

Ein Telefonat mit der US-Botschaft in Berlin hat ergeben, dass wir die Möglichkeit haben ein anderes Visum zu beantragen. Dieses würde für mich und Adi dann 266 Euro, plus die Fahrtkosten nach Berlin kosten. Da ein Termin für ein Interview aber erst wieder nächste Woche frei ist, war das auch keine Option. Zumal dann noch abzuwarten gewesen wäre, ob das Visum nicht auch abgelehnt worden wäre.

Wir verstanden die Welt nicht mehr und fühlten uns im Stich gelassen. Von niemanden bekamen wir eine Erklärung, wieso uns die USA als Sicherheitsrisiko sieht. Es geht hier doch nur um eine Zwischenlandung von ein paar Stunden. Und unsere Weste ist weißer als die der Vereinigten Staaten selbst. Wein musste her. Und das ganz schnell.

Adi war auch stink-sauer. Wieder einmal bekommen wir zu spüren, dass wir nur kleine Würmer sind. Aus heiterem Himmel kann ein Computersystem entscheiden, dass du nicht ins Bild passt und plötzlich müssen hunderte von Euros extra gezahlt werden ohne jegliche Begründung zu erhalten. Wir haben scheinbar keine Chance uns dagegen zu wehren oder es anzufechten.

Nach dem zweiten Glas, hat sich die Situation etwas entspannt. Wir haben aber weiter nach den Gründen gesucht. Unsere Fantasie ist sogar schon so weit gegangen, zu vermuten, dass unsere Social Media Accounts etwas mit der Ablehnung zu tun haben könnten. Beim ersten Gedanken, klang das natürlich vollkommen absurd. Nach einigen Recherchen sind wir jedoch auf einen Artikel im SPIEGEL gestoßen, der genau darüber berichtet, dass die US-Zoll und Grenzbehörde den Social-Media-Algorithmus nutzen kann, um treffsichere Persönlichkeitsprofile zu erstellen.
Nun, Adi und ich beschäftigen uns seit einiger Zeit mit der Friedensforschung und recherchieren viel über die Hintergründe des Terrorismus und auch Ursprünge dieser schrecklichen Kriege, die in den letzten 40 Jahren und auch aktuell ausgetragen werden.
Wir vertrauen bei unseren Recherchen nicht mehr nur auf die Mainstreammedien, sondern greifen vermehrt auf alternative Informationsquellen. Nach unseren Recherchen ist es unmöglich, die USA nicht zu kritisieren. Ich habe teilweise Vorträge vom Friedensforscher Dr. Daniele Ganser auf Facebook geteilt, der die USA in mehreren wissenschaftlichen Büchern stark kritisiert. Aber soll das etwa mit unserer Ablehung zusammenhängen? Das wäre doch wirklich verrückt.
Die Flasche Wein war inzwischen leer…

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Heute morgen sah die Welt schon wieder anders aus. Ein bisschen verkatert haben wir der Fluggesellschaft Condor unsere Situation geschildert. Da der Abflug bereits in drei Tagen ist, haben wir uns keine großen Hoffnungen gemacht, den Flug umbuchen zu können. Ein netter Mann im Kundenservice war wirklich hilfsbereit und konnte uns einen Direktflug nach Kanada anbieten. Dieser war natürlich um einiges teurer. 300 Euro um genau zu sein und als wäre das nicht schon genug wurde noch eine Umbuchungsgebühr von 140 Euro daraufgesetzt. Wir haben die Flüge aber trotzdem umgebucht. Wir haben keine andere Möglichkeit für uns gesehen. Und natürlich freuen wir uns seit Monaten auf Kanada.

Wir können bis jetzt immer noch nicht sagen, warum wir abgelehnt wurden und zu dem 1 % gehören, deren Anträge nicht bewilligt werden. Den Preis, den wir nun für diesen unnötigen Aufwand zahlen müssen ist wirklich nicht ohne. 440 Euro sind es letztendlich, ohne Begründung und mit sehr vielen Fragen die im Raum stehen.

Aber die Vorfreude auf unser neues Leben und die neuen Abenteuer lassen wir uns dennoch nicht nehmen. Kanada wir kommen! (Allerdings mit ein bisschen Verspätung!)

 

 

18 Gedanken zu “Sind wir gefährliche Verbrecher und wissen es nur noch nicht? Unser ESTA-Antrag wurde abgelehnt

  1. Enni schreibt:

    Ach du meine Nase! Das ist uns zum Glück noch nicht passiert. Respekt haben wir ja auch immer ein wenig beim Visa-Beantragen und sind sehr auf Sorgfalt bedacht, aber eher bei Russland und Ländern, für die man das VVisum zum ersten Mal beantragt – nicht beim ESTA. Mein Mann wäre auch ausgeflippt! 😀 Schöne Zeit in Kanada! Gruß, Enni

    http://www.listiw.de

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  2. Achim Spengler schreibt:

    Unter Trump fiele mir das Darüberhinwegfliegen der USA nicht schwer.Ärgerlich ist es allemal. Ich weiß nicht, wie hoch die Einnahmen der Touristikbranche in den USA sind. Eine Abstimmung per freiwilligem Verzicht auf die Besuche dort wäre wenigstens eine kleine Genugtuung.

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  3. wanjamenzel schreibt:

    Das ist nicht das erste Mal, dass ich davon höre, dass Einreiseanträge abgelehnt worden sind, ohne dass man verstehen konnte, warum. Bis auf die Social Media Accounts! Das ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass die USA diese nutzt, um Filter zu erstellen. Ich kenne auch zwei Fälle persönlich, in denen die jeweils 16/17jährige Tochter am Flughafen in den USA rausgefischt und wie ein Verbrecher festgehalten wurde… Es war nicht so einfach, überhaupt Kontakt aufnehmen zu können und auch bei ihnen konnten nur kritische Kommentare oder Likes kritischer Posts verantwortlich gemacht werden… Es ist echt unfassbar… Fein, dass Ihr einen anderen Weg gefunden habt und ihn auch nutzt!!! Alles Gute Euch!!

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  4. Videbitis schreibt:

    Hm – ich weiß ja gar nicht, ob ich hier noch kommentieren soll, die NSA speichert das doch sofort, und somit bin auch ich für alle Zeiten für die USA gesperrt.;-) Nein, im Ernst – eine Riesensauerei, daß die das einfach so ohne Begründung und ohne Chance, darauf reagieren zu können, machen können. Und selbst, wenn eure Haltung gegenüber der Regierungspolitik der USA kritisch ist (und ich wüßte auch nicht, wie man zu einer anderen Haltung kommen sollte, wenn man sich mit der Geschichte des Landes beschäftigt), ist das doch kein Grund, euch nicht ins Land zu lassen, die USA sind schließlich nicht Nordkorea. Gut, daß ihr noch eine andere Möglichkeit gefunden habt – blöd natürlich, zu welchem Preis.

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  5. Winterlicht schreibt:

    Puuhhh, das ist Aufregung, die man echt nicht gebrauchen kann! Ich bin froh, dass ihr eine Möglichkeit gefunden habt. Auch wenn ihr am Ende drauf gezahlt habt, ist es doch nur Geld 😉

    Genießt Euer Kanada-Abenteuer. Ich bin (als neue Leserin) sowieso schon total gespannt.

    Gruß, Annett

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  6. Carolin schreibt:

    Ich finde es etwas merkwürdig, dass der Antrag abgelehnt würde. Als ob ihr Verbrecher oder so seit. Auf jeden fall ist Kanada richtig toll. Ich war zwar nur in Vancouver, aber allein die Stadt hat mich richtig beeindruckt. Grüße und Viel Spaß Caro😘

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